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Und abwärts...

...geht es mit meiner Laune. Das Wetter ist äußerst bescheiden, ich habe Uni "ausfallen" lassen und bin zu faul, irgendetwas zu tun. Gestern musste ich bereits vor acht Uhr zu Uni los und war erst abends halb sieben zurück. Trotz diverser Kaffee (5?) bin ich tagsüber nicht wirklich aufgewacht. Als heute früh mein Wecker wieder um sieben Uhr klingelte, habe ich ihn gekonnt ignoriert und bis 13 Uhr weitergeschlafen.

Wenigstens ist endlich mein BAföG vollständig angekommen. Dafür war es auch höchste Zeit.  Mein Kontostand lag bei etwa 5 Euro, in meinem Portemonnaie (Bitte kein Kommentar zur Schreibweise dieses Wortes, ich weiß sehr wohl, dass es nicht der neuen Rechtschreibung entspricht, aber die neue Weise ist wahnsinnig hässlich!) war auch nicht viel mehr und es wurde Zeit für die Miete. Ein paar weniger erfolgreiche Telefonate mit dem BAföG-Amt, einer erfolgreicheren E-Mail und beinahe einem Panikanfall später wurde mir schließlich bestätigt, dass ich mein Geld erhalte. Ich hoffe sehr, dass damit die Geldsorgen erledigt sind.

Jetzt bin ich dabei, die Fahrt mit dem Nachtbus nach Deutschland zu buchen, da ich ja das letzte Maiwochenende Chorprobe mit dem Unichor habe Ich tendiere stark dazu, das teurere Ticket zu kaufen, mit dem ich geradeso pünktlich ankomme, anstatt einfach einen Tag eher zu fahren und länger in Deutschland zu verweilen. Aber so sehr ihr mir auch fehlt, will ich hier nicht weg. Von Tag zu Tag fällt mir der Gedanke wieder von hier weggehen zu müssen schwerer. Sprachlich bin ich bei schlechter Laune auch völlig überfordert. Momentan muss ich mich stark konzentrieren, um eine Sprache beizubehalten und nicht zu vermischen.

Bis zum nächsten Mal - mit hoffentlich besserer Laune!

PS: Im Radio läuft gerade Final Countdown und da muss ich doch stark an Paulines Gesangskünste denken

2.4.10 15:22


Von Ostereiern und Schlüsselproblemen

Na dann versuche ich mal, einen Eintrag zustande zu bringen - auch wenn mein französischer Mitbewohner gerade unter der Dusche steht und lautstark (falsch) singt...

Ich glaube, ich habe erst zum zweiten Mal in meinem Leben das Osterfest nicht bei meinen Großeltern verbracht. Dafür war es aber gar nicht so schlecht. Ostersonntag haben wir Freunde zu uns in die WG eingeladen, bekocht und gemeinsam Karten gespielt. Danach haben wir eine französische Variante von Mörder von Palermo zu spielen versucht. Irgendwie waren die Regeln aber nicht ganz so logisch, wie Ville und ich sie aus unserer Heimat kennen. Am Ostermontag bin ich mit meiner WG (außer Nico, der zu Hause in Italien war) und Ville zum Picknicken nach Provins gefahren, einem unscheinbaren mittelalterlichen Städtchen etwa eine Stunde entfernt von Paris. Leider war der Park nicht zum Eier-Verstecken geeignet. Dabei hatten wir uns so große Mühe beim Dekorieren der Eier gegeben. Die Ostereiersuche war meinen Mitbewohnern nicht sehr bekannt und schon gar nicht von normalen Eiern. Französische und italienische Kinder suchen scheinbar nur Schokoladeneier. Umso schwerer war es also, Farbe zum Eierfärben zu finden. Als ich in einem großen kauflandähnlichen Supermarkt danach fragte, wurde ich nur schräg angeschaut ("Ehhh, c'est quoi? Vous cherchez des stylos?" ). Schließlich beklebten wir unsere Ostereier mit Osterservietten. Da aus dem Eierverstecken auch nichts wurde, fingen wir beim "Pique-nique" irgendwann an, Boule damit zu spielen

Diesen Samstag habe ich mich mit einer Freundin zu einem öffentlichen Vortrag zum Thema "l'humour juif" in der Nationalbibliothek getroffen. Ich habe sogar recht viel verstanden und der vortragende Psychoanalytiker hat viele Witze erzählt. Anschließend bin ich mit Freundinnen shoppen gegangen und als ich mich auf den Weg nach Hause machte, kam es zum Streit bei uns in der WG. Das Problem ist, dass wir nur vier Schlüssel für fünf Personen besitzen. Da ich Samstag früh aus dem Haus ging, als die anderen noch schliefen, aber keinen Schlüssel finden konnte (weil alle die Schlüssel irgendwo in ihren Taschen gelagert haben), war ich also schlüssellos. Als ich mich jedoch auf den Heimweg machte, waren alle unterwegs und niemand wollte extra für mich nach Hause kommen. Da stand ich nun vor der Tür und stritt mich am Telefon mit meinem französischen Mitbewohner (auf französich! und ein wenig englisch) darüber, dass ich nicht einsehe, durch die halbe Stadt zu fahren, da ich ja nicht Schuld daran sei, keinen Schlüssel gefunden zu haben. Er zeigte sich nicht im geringsten einsichtig (offensichtlich typisch für Franzosen, wenn ich so an Gespräche mit Freunden über deren französische Mitbewohner und Freunde denke). Letztendlich machte sich Nico mit dem Rad auf den Weg, um mir den Schlüssel zu bringen - das dauerte nicht einmal 10 Minuten, weshalb ich den ganzen Aufwand nicht verstehe. Naja, am Sonntag folgte ein weiterer Streit meiner Mitbewohner darüber, wie man ordentlich Hausputz macht (ich versuchte mit derweil das Lachen zu verkneifen) und anschließend eine kleine WG-Versammlung, in der wir uns ein wenig die Meinung sagten. Seitdem ist alles wieder in Ordnung:D

 Ansonsten geht es mir ganz gut, wenn ich so mit den Geschichten meiner Freunde vergleiche. Meinem halleschen Kommilitonen wurde neulich von einem Wildfremden in der Metro grundlos die Lippe blutig geschlagen und die Griechinnen wurden am Samstag früh halb fünf Uhr morgens von Feuerwehrleuten geweckt, da ihr Balkon brannte. Meine neueste Entdeckung ist dagegen ein Schönheitschirurg um die Ecke. Als wär die Gegend hier nicht dekadent genug...

 Noch ein paar Fotos:

Ostersonntags-Essen

 

Traditionnelles Schokoladen-Osterei-"Kopfzerbrechen"

 

Bastelstunde

 

Unser ausgewogenes Picknick  

14.4.10 00:41


Perfect Timing, Eyjafjalla!

Der isländische Vulkan hätte sich keinen besseren Zeitpunkt für seinen Ausbruch suchen können - heute haben hier nämlich die Ferien begonnen! Die Hälfte aller Erasmusstudenten möchte nach Hause fliegen. Lina hatte eine Freundin aus Norwegen zu Besuch, die momentan in Frankfurt festsitzt und wohl mit dem Zug bis nach Bergen fahren muss. Meinen Mitbewohnern ergeht es auch nicht besser:Thomas, der das Wochenende in Milano verbringen wollte hängt hier fest. Giulia wollte heute für ein paar Tage nach London fliegen, bevor es nach Italien weitergeht...Pustekuchen. Dummerweise streikt die französische Bahn auch gerade! Folglich sind auch fast alle Busse von Eurolines ausgebucht. Thomas ist gerade aufgebrochen, um doch noch einen Zug zu finden und für Giulia heißt es Daumen drücken - noch ist ihr Flug einer von drei unter hundert, der noch nicht gestrichen wurde.

Ich bin deshalb ganz froh, mir für die Ferien nichts vorgenommen zu haben. Nur das letzte Wochenende im April geht es in die Bretagne. Ansonsten bin ich ganz zufrieden; momentan habe ich das Gefühl recht große Fortschritte zu machen, sowohl im Französischen, als auch beim Tennis und Schwimmen. Nachdem mir der Bademeister für meine Atemtechnik Tipps gegeben hat und ich eine Weile daran gearbeitet habe, kann ich nun auch problemlos eine halbe Stunde lang kraulen - kein Vergleich zu der halben Bahn davor Jetzt muss ich nur noch schneller schwimmen, hehe. Leider ist das Universitätssportzentrum über die Ferien geschlossen. Aber ich gehe ja neuerdings mit meinem italienischen Mitbewohner laufen. Da sind wir übrigens nicht die Einzigen. Abends trifft man in den Parks äußerst viele Jogger an, bei uns im Park sind wir mit mindestens weiteren hundert Läufern unterwegs.

Kleiner Exkurs zu meinem Wohnviertel: Bei mir um die Ecke wird gerade ein Film mit Ethan Hawke gedreht und heute früh habe ich zwei etwa elfjährige Mädels auf dem Weg zur Schule gesehen - mit Handtasche, statt Schulranzen! Unglaublich...

16.4.10 14:18


Ferien!

Ferien sind's! Inzwischen sind meine Mitbewohnerinnen trotz Vulkanproblemen beide in Italien angelangt und bei mir macht sich Ferienstimmung breit. Neulich war ich mit Nico, Stefano und Lina Fußball spielen. Im Süden der Stadt gibt es etliche Fußballplätze, die man gratisfup nutzen kann. Ich war ganz froh Lina mitgenommen zu haben, denn es gibt tatsächlich noch Länder, in denen Frauenfußball nicht alltäglich zu sein scheint, z.B. in Frankreich! Und so waren es Lina, ich und zwanzig Männer:D Aber ich habe mir sagen lassen, dass fußballspielende Mädels auch in Italien und Griechenland nicht akzeptabel sind - an dieser Stelle ein Hoch auf Deutschland! Lina und ich haben uns außerdem Tennisschläger gekauft und die Tennisplätze im Jardin du Luxembourg ausprobiert. Das Mieten der Plätze ist hier in Paris gar nicht so teuer, für uns gerade mal fünf Euro die Stunde.

Mittwoch bin ich schließlich spontan mit Freunden, die noch einen Platz im Auto frei hatten, nach Amsterdam gefahren. Eine kleine Abwechslung tat mir auch ganz gut. Doro (polnische Freundin aus der Uni) und ich waren auf der Hinfahrt ganz begeistert von all' den Kühen. Ja, es klingt verrückt, aber uns war aufgefallen, dass wir schon seit drei Monaten keine mehr gesehen hatten. Da ist so eine Kuh plötzlich irgendwie cool... Amsterdam war klasse, nur ein wenig kalt - soll heißen nur 13-15 Grad und wir benötigten tatsächlich Jacken! Bibber. In Amsterdam habe ich mir zum ersten Mal das Anne-Frank-Haus angesehen, wo sie und ihre Familie sich damals vor der Judenverfolgung versteckten. Ich habe ja noch nie eines der ehemaligen Konzentrationslager besucht und somit war dieses Haus meine bisher realste Begegnung mit dem dritten Reich und hat einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Die Räume sind auf Wunsch von Anne Franks Vater leer, aber die Wände in Annes Zimmer sind zum Beispiel mit lauter Postkarten und kleinen Bildchen von Filmstars geschmückt. Ihr Original-Tagebuch befindet sich auch dort im Haus. Ganz schön emotional; ich glaub ich bin nah am Wasser gebaut. Die Schulklassen haben aber ein wenig gestört. Aber hey, welcher 13-jährige Schüler ist von Museen schon beeindruckt?

Außerdem haben wir an einer Free Tour durch Amsterdam teilgenommen. Die Idee ist super: Junge Leute geben (meist auf Englisch) eine kostenlose Führung durch die Stadt und wem es gefallen hat, kann ein Trinkgeld geben. Die Führungen sind auch eher auf junge Leute zugeschnitten und unsere Stadtführerin Jennifer war wahnsinnig witzig! Und so bin ich jetzt bestens über die Prostituierten, Pissoirs und Piss-Reflektoren, komische holländische Nachnamen und legale Häuserbesetzungen informiert. Definitiv empfehlenswert! Laut Flyer gibt es diese Free Tours auch in anderen europäischen Städten, wie zum Beispiel Edinburgh. Werde ich wohl nächste Woche, wenn ich dort bin, gleich mal ausprobieren.

Ansonsten verbringe ich meine Ferientage tagsüber in den Parks und Gärten von Paris (momentan liegen die Temperaturen zwischen 20-30 Grad) und nachts mit Freunden und ein paar Flaschen Wein am Ufer der Seine oder auf den Brücken darüber. Gestern war ich mit Ville in ihrer Gegend im Kino zu "L'immortel" und habe dann auch mal die weniger schönen Seiten von Paris kennengelernt. Mir ist nämlich - dank Überlänge mit Jean Reno - die letzte Metro vor der Nase weggefahren. Bei Ville wollte ich aber nicht übernachten, da sie heute früh zur Arbeit raus musste und ich die Nacht davor auch schon bei Freunden übernachtet hatte (zu lange gefeiert und keine Lust einen Nachtbus zu suchen). Und so war ich erst morgens um drei und zwei elend lange Busfahrten später zu Hause. Aber was gäb es schöneres auf der Welt, als nachts um zwei Uhr bei Châtelet eine halbe Stunde auf den Bus zu warten, umringt von 'zig (betrunkenen) Männern, als einzige Frau?? Ja, ich weiß: Vieles. Mir ist dabei auch zum ersten Mal aufgefallen, dass nachts in Paris nie Frauen alleine unterwegs sind. Naja, bin ja gut angekommen und mitlerweile ausgeschlafen. Dann lege ich heute wohl noch einen weiteren Tag Sportpause ein

À bientôt!

26.4.10 17:06





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